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Multimedia/Spiele/Messen/FEA/

Trend: Computerspiele für das Ego und die Kleinen

-- Von Timo Lüge --=

Nürnberg (ddp). In den letzten Jahren erschufen die Spielwarenhersteller Stars. Das Ergebnis: Männer schrieben der großbusigen Lara Croft Liebesbriefe und Kinder nervten ihre Eltern, weil sie unbedingt das neueste Spiel der Pokemons wollten. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zeichnete sich dieses Jahr eine Trendwende ab: Statt virtuellen Gestalten zu huldigen sollen die Spieler sich immer mehr in einer Welt bewegen, die sich rund um ein Spiel dreht. Und das Spiel, so die Botschaft der Konzerne, dreht sich nur um den Spieler.

Um den Kunden in die Spielwelt einzuspinnen setzen die Firmen auf das Internet. Rund um die Spiele werden Online-Gemeinschaften (Communities) aufgebaut. Dort können Fans über das Spiel reden und sich neue Figuren, Fahrzeuge oder Level herunter laden. In Diskussions-Foren protzen Angeber mit ihren Resultaten, und Anfänger suchen Hilfe.

Sega geht noch einen Schritt weiter und bietet mit seiner "Dreamcast"-Konsole bereits den Internet-Zugang an. Das Modem ist in die Konsole eingebaut, die E-Mail-Adresse gibt es kostenlos und die Online-Gebühren entsprechen einem normalen Ortsgespräch. Wer keine Lust auf Surfen hat, soll sich online mit Gegnern in der ganzen Welt messen können. "Wir sind der festen Überzeugung, dass das Internet fürs Gamen die Plattform der Zukunft sein wird", sagte Thomas Zeitner, Geschäftführer von Sega Deutschland in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Um dem Spiel im weltweiten Datennetz eine persönliche Note zu geben, will Sega im Herbst eine Kamera auf den Markt bringen, mit der man die Gesichter von Spielfiguren durch Fotos ersetzen kann - Lara Croft mit Bart. Zeitner kündigte außerdem an, dass zurzeit ein "Tomb Raider"-Spiel exklusiv für die Dreamcast programmiert würde. Im Herbst soll es zudem einen MP3-Spieler für die Konsole geben, der 70 Minuten Musik speichern kann.

Für Will Wright von "Maxis" ist sogar das Leben selbst ein Spiel. Vor zehn Jahren simulierte er das erste Mal die Funktionen einer Stadt und erschuf mit "Sim City" einen der bekanntesten Spieletitel der Welt. Nun will er mit "The Sims" das Leben selbst nachbilden. Ein vorgegebenes Ziel gibt es dabei nicht, jeder kann selbst entscheiden, ob er sein Leben als alleinstehender, gestresster Manager mit einer 70 Stunden-Woche fristen oder lieber arm und verheiratet in einem Wohncontainer leben möchte. "Wir haben damit ein neues Genre geschaffen - die Seifenoper für den Computer", sagte Pressesprecherin Melanie Bongartz der Nachrichtenagentur ddp. Dabei dürfen natürlich auch die neidischen Nachbarn, das liebevolle Haustier, gute Freunde und wilde Partys nicht fehlen. Nur zwei Sachen gibt es bei "The Sims" nicht: Sex und Drogen. Umbringen kann man andere Spielfiguren hingegen schon. Eine Beta-Version des Titels war in Nürnberg nicht zu sehen, er soll aber bereits im März auf Deutsch im Handel erhältlich sein.

Auf der Messe war außerdem zu hören, dass sich der Spielegigant "Electronic Arts" (EA) vorbereitet, in Deutschland stark in das Geschäft mit Online-Spielen einzusteigen. Vergangenes Jahr hatte die Firma in Amerika mit dem Onlinedienst AOL einen Vertrag abgeschlossen, der EA zum Alleinverantwortlichen für den AOL-Spielebereich machte. Nun würden auch in Deutschland Gespräche mit T-Online und AOL über eine Kooperation geführt, hieß es am EA-Stand.

Deutlich wurde auf der Spielwarenmesse auch, dass es immer mehr Computer-Spiele für Kinder unter zwölf Jahren und für Mädchen gibt. So präsentierte "Mattel Interactive" ein Spiel mit Barbie als Dornröschen und bei Legos "Belleville" können Mädchen Lieder komponieren und Tanzschritte bestimmen. Von Lego kommen außerdem "Legoland", eine Art Wirtschaftssimulation für Kinder, und eine Fortsetzung der anspruchsvollen "Mindstorm"-Reihe. Bei Mindstorm handelt es sich um Roboter, die mit Lego-Steinen gebaut und mit Hilfe einer einfachen Programmiersprache gesteuert werden können. Spätestens im Herbst soll es eine Kamera geben, mit der die Roboter Videobilder übertragen und per Handzeichen bewegt werden können. Einige Firmen bemühen sich außerdem darum Kinder möglichst früh fit fürs Internet zu machen. "Vtech" setzt dazu auf billige, Laptop-ähnliche Geräte. Der "9009 CX" zum Beispiel verfügt über eine normale Tastatur, ein Modem und einen Bildschirm mit sehr grober Auflösung. Kinder können damit E-Mails verschicken aber nicht ins World Wide Web gehen. Spätestens im dritten Quartal wird das Gerät jedoch Konkurrenz bekommen: Auch mit dem für den Herbst angekündigten "Gameboy Advanced" sollen Kurznachrichten und sogar E-Mails verschickt werden können.

Mehr Informationen:
http://www.spielwarenmesse.de

til/
080000 Feb 00

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