Lügengeschichten - das Portfolio von Timo Lüge
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Multimedia/Technik/Fußball/FEA/

Fußballmeisterschaft der Roboter: Das größte Problem ist Intelligenz

-- Von Timo Lüge --=

München (ddp). Die Medizin-Studenten der Universität Lübeck sind schon ganz aufgeregt: Am Montag darf ihr Team «Lucky Lübeck» zum ersten Mal an der europäischen Roboter-Fußballmeisterschaft in Amsterdam teilnehmen (29. Mai bis 2. Juni) - die Trikots sind bereits gedruckt. Die Konkurrenz ist hart: Aus Russland kommt das Team «Polytech 100», aus Schweden «No AI» und aus Italien rückt die Mannschaft «Pizza Tower» an, um den RoboCup zu gewinnen. Insgesamt haben sich 29 Mannschaften qualifiziert. Gekämpft wird in drei Disziplinen: kleine Roboter, die nur so groß sind wie eine Konservendose, mittlere Roboter, die ungefähr so groß sind wie ein Mülleimer und Software-Roboter, die nur im Computer existieren.

«Lucky Lübeck» tritt in der letzten Kategorie an. «Für uns besteht die Herausforderung vor allem darin, Akteure zu programmieren, die miteinander kommunizieren und auf eine nicht einprogrammierte Situation eigenständig reagieren können», erklärt Thomas Martinetz, Direktor des Instituts für Neuro- und Bioinformatik der Universität Lübeck.

Im Vergleich zu den Robotern aus Bits und Bytes der Lübecker sind die Bots der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) schwere Jungs: Bis zu 20 Kilo bringt jeder der vier Spieler auf die Waage, wenn er mit maximal neun Stundenkilometer über das Feld rollt. «Wenn die anderen genauso schnell fahren, kann das bei einem Zusammenstoß ganz schön scheppern», sagt Hans-Ulrich Kobialka vom Institut für autonome intelligente Systeme der GMD. Für die Bauer physischer Roboter stellen sich eine ganze Menge zusätzlicher Probleme, die es bei den Software-Robotern nicht gibt.

«Letztes Jahr auf der WM in Stockholm hatte der Teppich des Spielfeldes eine andere Reibung und bei einem unserer Roboter brannten vier Motoren durch. Das Spiel haben wir verloren - obwohl die anderen auch nicht viel besser waren als wir», erzählt Kobialka. Außerdem müssen die Roboter mithilfe einer Kamera den Ball erkennen und verfolgen können, sie müssen über einen Mechanismus verfügen, mit dem der Ball weggekickt werden kann, über Abstandssensoren um nicht mit den anderen Spielern zusammenzustoßen und schließlich über ein Funksystem zur Absprache. Die größte Herausforderung sei jedoch die Komplexität des Spieles: «Es gibt zwar nur acht Roboter und einen Ball auf dem Spielfeld aber eine unendliche Anzahl von Kombinationen, wo die Spieler und der Ball sein können», erklärt der Forscher. Nicht immer gelingt es der künstlichen Intelligenz der Spieler diese Aufgabe zu meistern: «Manchmal sind die Roboter ganz schön dumm, wenn sie von den Menschen alleingelassen werden. Und dann steht man neben den Spielfeld und ruft und schreit: 'Nun mach doch' - das ist wie bei einem richtigen Fußballspiel», erzählt Kobialka.

Knapp verpasst hat die Teilnahme an der Europameisterschaft die Mannschaft «Virtual Werder». «Für die WM in Australien haben wir uns aber schon qualifiziert», freut sich Ubbo Visser, der am Technologie-Zentrum Informatik der Universität Bremen seit über einem Jahr an der Entwicklung der Software-Roboter beteiligt ist. In zwei Jahren wollen die Bremer auch in der Lage sein, Roboter auf Rollen zu bauen, um dann auch in den anderen Disziplinen teilnehmen zu können. Für die WM haben sie eine Wunderwaffe: «Virtual Werder» besitzt einen digitalen Coach, der den Überblick über das gesamte Spielfeld behält und bei Spielunterbrechungen die Taktik ändern kann. Die Idee dazu kam den Informatikern nach einem Gespräch mit Thomas Schaaf, dem Trainer der Bundesligamannschaft Werder Bremen.

Bei allem Spaß, den die Wissenschaftler mit ihren Robotern haben, gibt es auch ein wissenschaftliches Ziel hinter den Fußballmeisterschaften. Ubbo Visser: «Im Prinzip sind das Tests für die Kommunikation zwischen Software-Agenten in einer Situation, die nicht vorher programmiert werden kann. Das Ziel ist es, damit einmal Maschinen bauen zu können, die alltagstauglich sind. Also zum Beispiel eine Gruppe Service-Roboter, die putzen und sich dabei nicht behindern. Oder einen Software-Roboter, der in meinem Auftrag weltweit nach dem günstigen Anbieter für einen bestimmten Tennisschuh sucht und ihn gleich bestellt.»

Mehr Informationen:

Institut für Neuro- und Bioinformatik der Universität Lübeck:
http://www.inb.mu-luebeck.de

Das RoboCup-Team der GMD:
http://ais.gmd.de/BE/robocup

«Virtual Werder» - die RoboCup-Mannschaft der Universität Bremen:
http://www.virtualwerder.de

Offizielle Homepage des RoboCup in Amsterdam:
http://www.robocup.nl

Homepage der Welt-RoboCup-Initiative:
http://www.robocup.org

til/muc
280800 Mai 00

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