Multimedia/Recht/DVD/
--Von ddp-Korrespondent Timo Lüge ---
New York (ddp). In den USA begann in dieser Woche ein Prozess um ein Programm mit dem der Kopierschutz von DVDs durchbrochen werden kann. Angeklagt ist Eric Corley, der Betreiber des bekannten Hacker-Angebots 2600.org (http://www.2600.org). Ihm wird vorgeworfen, einen Link auf die Software DeCSS angeboten zu haben. Mit diesem Programm können DVD-Filme entschlüsselt und ungeschützt kopiert werden.
Der Hintergrund: Die Film-Industrie führte DVDs ein, um Spielfilme mit digitaler Bildqualität auf den Fernseher zu bringen. Doch gleichzeitig wollten die Studios verhindern, dass die Filme illegal kopiert werden. Deshalb wurden die Scheiben verschlüsselt und sollten nur mit speziellen Decodern abgespielt werden. Für den Fernseher gibt es dazu spezielle DVD-Spieler, am PC sollte diese Aufgabe von Windows- und Macintosh-Programmen erledigt werden. Für das Betriebssystem Linux und andere alternative Systeme gab es keine entsprechende Software.
Daher schrieben einige Linux-Programmierer eine Software, die den Kopierschutz entfernt und den ungeschützten Film auf die Festplatte kopiert: «DeCSS» (Decode Content Scrambling System). Die Studios betrachten das Programm als ein Werkzeug zur Erstellung von Raubkopien und beschuldigen Internet-Betreiber, die DeCSS anbieten oder durch einen Link darauf verweisen, die Erstellung von illegalen Kopien zu fördern. In den USA gibt es seit kurzem ein Gesetz, das die Bereitstellung von Programmen verbietet, die hauptsächlich dazu dienen einen Kopierschutz zu umgehen.
Die Programmierer der Software sehen DeCSS hingegen lediglich als ein legitimes Hilfsmittel, um DVDs auf alternativen Betriebssystem zu betrachten. Das betonte einer der Entwickler, der 16-jährige Norweger Jon Johansen, zuletzt in einem Interview mit der «Linuxworld» (http://www.linuxworld.com).
Diese Meinung vertritt auch der nun angeklagte Eric Corley. Außerdem sei es sehr problematisch, einen Link auf eine Software unter Strafe zu stellen. Links seien ein wichtiges Qualitätsmerkmal von gutem Journalismus und die Verlinkung zu bestrafen würde mit der Informations- und Meinungsfreiheit kollidieren, sagte Corley in einem Gespräch mit dem Internet-Angebot «ZDNet» (http://www.zdnet.de) auf der internationalen Hacker-Konferenz H2K (http://www.h2k.net). In Norwegen ist noch nicht entschieden worden, ob auch der DeCSS-Programmierer Jon Johansen vor Gericht muss.
Mehr Informationen:
2600.org:
http://www.2600.org
Interview mit einem der Programmierer von DeCSS:
http://www.linuxworld.com/linuxworld/lw-2000-01/lw-01-dvd-interview.html
Dokumente zum Prozess:
http://www.eff.org/IP/Video/MPAA_DVD_cases
Initiative zur Öffnung des DVD-Standards:
http://www.opendvd.org
