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Showdown in Gerichtssaal: Musiktauschbörsen gegen Plattenindustrie

-- Von ddp-Korrespondent Timo Lüge --=

San Franciso (ddp). Am Mittwoch beginnt in den USA eine mündliche Gerichtsverhandlung, die über die Zukunft der Musikbranche entscheiden könnte. Dabei geht es um die Frage, ob Privatleute untereinander über das Internet Musik austauschen dürfen oder nicht. Generell ist es nämlich weder in Deutschland noch in den USA verboten, einem Freund oder Bekannten ein paar Lieder von der Lieblings-CD zu kopieren. Voraussetzung ist, dass dies unentgeltlich geschieht.

Im Internet gibt es Software-Systeme wie «Napster» (http://www.napster.com) oder «Scour» (http://www.scour.com) mit denen Privatleute weltweit Songs austauschen können. Dazu meldet sich der Nutzer nach Installation einer Software auf speziellen Tausch-Servern an. Während er online ist, kann dann jeder angeschlossene Internet-Nutzer von den Privatrechnern der anderen Teilnehmer Songs herunterladen - oft sind das mehrere 10.000 mit Millionen Musik-Stücken. Da das Ganze unentgeltlich geschieht, behaupten die Befürworter der Systeme, im Internet erfolge nur der erlaubte Austausch zwischen Privatleuten. Die Plattenindustrie sieht das anders und verklagte deshalb die Betreiber der Tauschserver, allen voran den populärsten Dienst, Napster. Am Mittwoch wird deshalb eine Anhörung vor dem Bezirksgericht in San Francisco stattfinden.

Die Argumentation der amerikanischen Plattenindustrie RIAA (http://www.riaa.org) ist, da Napster versuche ein Geschäftsmodell auf dem Internet-Tausch von Musikstücken aufzubauen, würden sie an den Raubkopien profitieren. Daher könne die RIAA Napster haftbar machen. Napster entgegnet hingegen, das Unternehmen leite die Daten nur weiter - genauso wie AOL oder alle anderen Internet-Provider und wäre auf Grund der Gesetze nicht für die Art der durchgeleiteten Daten verantwortlich. Schließlich könnte man auch selbst-produzierte Musikstücke über den Dienst verbreiten, die Software habe also nicht ausschließlich den Zweck das Urheberrecht zu verletzen.. Außerdem würden die Nutzer bei jedem Start des Programms darauf hingewiesen, dass sie es nicht für illegale Zwecke benutzen dürften.

Prominente Musiker wie Elton John haben sich inzwischen gegen Napster ausgesprochen. Ron Stone, der unter anderem Tracy Chapman vertritt soll über Napster gesagt haben, dies sei das hinterhältigste Internet-Angebot, dass er je gesehen habe. Und die Hard-Rock-Band «Metallica» erwirkte im Mai, dass die Benutzerkonten von 30.000 Napster-Usern wegen Urheberrechtsverletzungen gelöscht wurden.

Um ihren Fall zu stützen präsentierte die RIAA jüngst ein Gutachten, das belegen soll, dass an Universitäten, an denen Napster verbreitet ist, der Verkauf von Music-CDs zurückgegangen sei. Die Marktforschungsunternehmen Jupiter Communications (http://www.jup.com) hingegen behauptet das Gegenteil sei der Fall. Napster-User hätten ihre Ausgaben für Musik-CDs sogar gesteigert.

Eventuell wird es für die Musikindustrie aber gar keine große Rolle mehr spielen, ob sie gegen Napster gewinnt. Denn mittlerweile gibt es bereits Software, die ohne die zentralen Tausch-Server auskommt. Mit «Gnutella» (http://www.gnutella.wego.com) zum Beispiel können beliebige Nutzer spontan ein unabhängiges Netzwerk zum Datenaustausch formen. Und was innerhalb dieser Netzwerke geschieht ist für Außenstehende unsichtbar.

Mehr Informationen:

Thomas Braun: «Kopieren von Audio-CDs und Urheberrecht»
http://www.ifpi.de/recht/re-7.htm

Dokumente der RIAA zu Napster:
http://www.riaa.com/Napster_Legal.cfm

Dokumente von Napster zum Gerichtsverfahren:
http://www.napster.com/pressroom

Studie von Jupiter Communications:
http://www.jup.com/company/pressrelease.jsp?doc=pr000721

Scour zum Verfahren gegen die RIAA:
http://www.scour.com/General/Company/Press/Releases

til/muc
251500 Jul 00

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