Lügengeschichten - das Portfolio von Timo Lüge
Lebenslauf / CV
Diplomarbeit / Thesis
Artikel / Articles
Artikel aus dem Multimedia-Dienst der Nachrichtenagentur ddp
Archiv: Texte sind nicht aktuell!
<- Zurück

xmm004 4 wt 550 vvvvm DDP0011
Multimedia/Spiele/Konsolen/

Krieg der Knöpfe - Die nächste Generation der Spiele-Konsolen

-- Von Timo Lüge --=

München (ddp). Die Playstation und N64 haben ausgedient - die Spiele-Konsolen der Zukunft heißen Dreamcast, Dolphin, Playstation 2 und X-Box. Mit hochgezüchteten Grafik-Chips wollen die Hersteller Computer-Spiele in Kino-Qualität anbieten und über eingebaute Modems den Weg ins Internet öffnen. Seit vergangener Woche hat auch Microsoft den Finger am Drücker und möchte den Branchenriesen Nintendo und Sony mit der X-Box das Spiel vermiesen. Denn es geht um Milliarden: 1999 gaben die Deutschen insgesamt 3,25 Milliarden Mark für Computerspielzeug aus, schätzt der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland. In den USA wurden laut dem Marktforschungsinstitut IDC sogar rund 14 Milliarden Mark mit Computerspielen umgesetzt. Dort seien vergangenes Jahr bereits mehr Konsolen als PC verkauft worden.

Als erstes am Start der Konsolen der nächsten Generation war Sega mit seiner Dreamcast (499 Mark). Im September eingeführt, konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher 110.000 Stück verkaufen. Durch den 128-Bit Grafik-Prozessor bietet die Dreamcast zurzeit die detaillierteste Darstellung auf dem deutschen Markt. Außerdem verfügt sie über ein Modem mit dem Nutzer im Internet surfen und weltweit gegeneinander kämpfen können. Für Thomas Zeitner, Geschäftsführer von Sega Deutschland, ist die Online-Fähigkeit das entscheidende Kriterium für den Erfolg zukünftiger Spiele-Konsolen: «Wir sind der festen Überzeugung, dass das Internet fürs Gamen die Plattform der Zukunft sein wird», sagte Zeitner der Nachrichtenagentur ddp im Februar. Ein großer Nachteil der Dreamcast ist der geringe Marktanteil. Dadurch gibt es kaum Programmierer und damit auch nur wenige Spiele für die Dreamcast - zurzeit lediglich 50 Stück.

Schärfster Konkurrent der Dreamcast ist die Sony Playstation 2 (PS2), die am 4. März in Japan eingeführt wurde. Ebenso wie die Dreamcast verfügt sie über einen 128-Bit Grafik-Prozessor. Damit kann die PS2 20 Millionen Polygone - die Bausteine von Computerbildern - per Sekunde berechnen. Bei der alten Playstation waren es 360.000. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek drückt es so aus: «Es ist ein Sprung von South Park zu Toy Story.» Sony verkaufte an den ersten zwei Tagen in Japan beinahe eine Million Konsolen - zum Preis von rund 720 Mark. Allerdings hat die PS2 offensichtlich noch ein paar Kinderkrankheiten. Vergangene Woche musste Sony die acht MB-Speicherkarten zurückrufen, außerdem kommt es angeblich vereinzelt zur Überhitzung des Systems.

Der Vorgänger der PS2 ging nach Unternehmensangaben weltweit rund 72 Millionen Mal, in Deutschland 27 Millionen Mal über den Ladentisch. Sony ist damit nach eigenen Angaben Marktführer mit einem weltweiten Marktanteil von rund 70 Prozent. In Deutschland wird die Playstation 2 erst im Herbst verfügbar sein, ein Modem kommt im nächsten Jahr.

Das Sony-Gerät hat einige Vorteile: Zum einen werden auch alle alten Playstation-Spiele auf der PS2 laufen und das sind in Deutschland rund 800 Titel. Zum anderen kann sie aber auch Audio-CDs und sogar die neuen Video-Disks (DVD) abspielen. «Die Playstation 2 ist das Ergebnis einer Strategie, die Sony seit Jahren verfolgt und zwar spätestens seitdem 1998 der Filmverleih Columbia-Tristar gekauft wurde. Sony will über das Internet und bald über Breitbandkabel auf Abruf Videofilme, Musikstücke und Spiele anbieten. Die Playstation 2 ist das Abspielgerät. Die Spiele sind nur eine zusätzliche Attraktion. Was Sony mit der Playstation 2 wirklich will, ist einen kleinen Sony-Shop in jedem Wohnzimmer», vermutet der amerikanische Journalist Frank O'Connor in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. O'Connor berichtet seit zehn Jahren über den Konsolenmarkt und ist Chefredakteur des Internet-Magazins «The Daily Radar» (http://www.dailyradar.com).

Auch Nintendo hat eine neue Konsole in der Tasche. Dolphin soll nach Unternehmensangaben noch leistungsfähiger sein als die Dreamcast oder die PS2 und zu Weihnachten in den Handel kommen. Branchenkenner bezweifeln allerdings, dass Nintendo den Termin wird einhalten können. «Ich kenne viele Entwickler, und nicht einmal die haben die endgültigen Spezifikationen bekommen. Die würden es nicht einmal schaffen PacMan bis Weihnachten fertig zu stellen», sagt O'Connor. Nintendo Deutschland dementiert alle Gerüchte, man werde den Termin nicht einhalten können. Sicher ist, dass Dolphin mit einem auf 400 MHz getakteten IBM-Chip arbeiten wird. Ob die Konsole auch ein Modem haben soll, wollte das Unternehmen jedoch noch nicht verraten. Für die alte N64 (199 Mark) gibt es zurzeit rund 200 Spiele in Deutschland.

Das lukrative Geschäft um die Abzugsfinger der Spieler möchte sich auch Microsoft nicht entgehen lassen. Am vergangenen Freitag stellte der Softwaregigant in den USA eine eigene Konsole vor. In Deutschland soll die so genannte X-Box Ende 2001 zu haben sein. Dabei handelt es sich allerdings eher um einen modifizierten PC als um etwas, das den bisher auf dem Markt verfügbaren Konsolen gleicht. Als Betriebssystem dient eine abgespeckte Version von Windows 2000, im Herz der Maschine schlagen nach Unternehmensangaben ein Intel-Chip mit 600 MHz und ein 300 MHz-Graphik-Chip von NVidia. Microsoft will damit die Grafik der Playstation um mehr als das Vierfache übertreffen. Ein Modem und ein Ethernet-Adapter gehören ebenso zur X-Box, eine Maus und eine Tastatur sollen als Zubehör angeboten werden. Größter Vorteil von Microsoft könnte sein, dass bestehende Windows-Spiele sehr leicht für die X-Box angepasst werden können. «Die Konvertierung eines Spiels von Windows zur X-Box besteht im Grunde aus einem Klick auf 'Speichern unter' », erläutert O'Connor. Für Branchenkenner überraschend war, dass auch Firmen, die für Nintendo und Sony Spiele entwickeln, die Microsoft-Konsole unterstützen wollen. Bisher war man davon ausgegangen, dass diese nicht daran interessiert wären, Microsoft ein Fenster in ihren Markt zu öffnen. Wie viel die X-Box kosten soll, wollte Microsoft noch nicht verraten. Im Internet wird ein Preis von zirka 300 Mark vermutet.

Mehr Informationen:

http://www.nintendo.de
http://www.playstation.de
http://www.dreamcast.de
http://www.dailyradar.com
http://www.microsoft.com/presspass/features/2000/03-10xbox.asp
http://www.microsoft.com/billgates/speeches/03-10gdc.htm
http://www.xbox.com

til/kof
140345 Mär 00

<- Zurück