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«Ohne ausländische Arbeitskräfte können wir den Laden nicht am Laufen halten» - IBM-Chef Staudt über fehlende Fachleute in der IT-Branche =

-- Von Timo Lüge --

Hannover (ddp). Auf der Computermesse CeBIT hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigt, den deutschen Arbeitsmarkt für EU-Ausländer aus der High-Tech-Branche öffnen zu wollen. Die Nachrichtenagentur ddp sprach auf der Messe mit Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland. Staudt ist außerdem Vorsitzender der Initiative D21 (www.initiatived21.de), einem Zusammenschluss von Unternehmen, die nach eigenen Angaben den Einsatz von Informationstechnologie (IT) in Deutschland fördern wollen.

ddp: Zum Messebeginn sagte Bundeskanzler Schröder, er wolle die Einreise für ausländische Arbeitnehmer im IT-Bereich erleichtern. Was halten Sie davon?

Erwin Staudt: Wir (die Initiative D21. Anm. d. Redaktion) hatten das zuvor mit dem Bundeskanzler besprochen. Tatsächlich gibt es mindestens 75.000 offene Stellen und auf absehbare Zeit keine Chance, diese über unsere internen Ausbildungskanäle in Deutschland zu decken. Es dauert vier bis fünf Jahre, bis diejenigen, die jetzt studieren, marktreif sind. In der Zwischenzeit müssen wir die Lücke schließen. Und wir sehen einen Ausweg darin, 30.000 hochqualifizierte Kräfte aus dem Ausland anzuwerben und drei bis vier Jahre hier einzusetzen. Wir haben Informatiker in den ehemaligen Ostblockländern, die hochqualifiziert und hochmotiviert sind und zum Teil auch Deutsch sprechen. Es wäre ideal, wenn junge Leute aus diesen Ländern dann als Botschafter in ihre Länder zurückkehren und ihre Erfahrungen dort umsetzen.

ddp: Was sagen Sie Studenten, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, wenn 30.000 Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Deutschland kommen?

Staudt: Wir schaffen jedes Jahr 40.000 neue Stellen rund um das Internet. In der Bundesrepublik werden im Jahr 5.500 Informatiker und Wirtschaftsinformatiker ausgebildet, wovon alleine IBM 3.000 einstellt. Warum sollte sich also jemand, der zu den genannten 5.500 gehört, Sorgen um seine berufliche Zukunft machen? Man muss das aus Sicht der Wirtschaft sehen: Wenn wir einen solchen Schritt jetzt nicht gehen, können wir den Laden schlicht nicht am Laufen halten. Das heißt, die Projekte und Unternehmen gehen unter Umständen ins Ausland, und das Geschäft geht an der deutschen IT-Wirtschaft vorbei.

ddp: Werden in fünf Jahren Menschen, die noch nicht mit dem Internet vertraut sind, überhaupt noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben?

Staudt: Es wird auch zukünftig Bäcker und Floristen geben, aber es wird kaum einen Beruf geben, der nicht irgendwo mit dieser Form der Kommunikation und des Handels zu tun hat. Worauf wir politisch achten müssen ist, das wir unser Volk nicht in «User» und «Looser» spalten.

ddp: Dazu muss man die Menschen ausbilden. Aber an den Schulen und den Universitäten sieht es mit der Hardwareausstattung schlecht aus. Plant IBM, sich zukünftig in diesem Bereich zu engagieren?

Staudt: Für 53.000 deutsche Schulen Computer zur Verfügung zu stellen, ist für die IT-Industrie finanziell nicht machbar. Aber wir können eine Solidaraktion mit der deutschen mittelständischen Wirtschaft starten. Jeder soll sich in seinem Umfeld eine Schule aussuchen und ihr ein Internetzimmer einrichten. IBM nutzt dabei seine Kontakte, um möglichst viele Partner zu finden, die dann die Schulen entsprechend versorgen. Wir stellen Mitarbeiter zur Verfügung, die als Botschafter in die Schulen, Vereine, Volkshochschulen und somit in die Bevölkerung gehen, um für Verstehen und Begeisterung in Sachen Internet zu werben.

til/hob
291201 Feb 00

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