Multimedia/Software/Test/
-- Von Timo Lüge --
München (ddp). Die Tage des gedruckten Lexikons sind gezählt. Anstelle dicker Bücher, wird in vielen Haushalten demnächst nur noch eine dünne CD-Hülle neben dem Computer stehen. Zwar beteuern Bertelsmann und Brockhaus, auch weiterhin Lexika auf Papier herausbringen zu wollen, aber in den USA kündigte der Verlag der «Encyclopaedia Britannica» bereits an, keine gedruckten Ausgaben mehr herzustellen.
Es gibt nur wenige Bereiche, in denen die neuen Medien ihre Vorteile so klar ausspielen können, wie beim Lexikon: Während im Brockhaus unter «Beethoven» lediglich ein paar Zeilen Text stehen, können Besitzer des «Brockhaus multimedial» ins Klavierkonzert Nummer fünf hineinhören. Und wer gerne wissen möchte, was eine Interferenz ist, bekommt das im «Lexikon 2000» von Data Becker mit einem Video erklärt. Ähnlich können in «Microsofts Encarta» einige naturwissenschaftliche Gesetze, wie zum Beispiel das Hebelprinzip, interaktiv ausprobiert werden.
Der Wissensdurstige kann sein CD-ROM-Lexikon immer wieder auf den neuesten Stand bringen, während die Bücher oft schon beim Druck veraltet sind. Viele Nachschlagewerke lassen sich monatlich über das Internet aktualisieren. Updates des «Lexikon 2000» etwa soll es außerdem auf CD-ROMs geben, die speziellen Computerzeitschriften beiliegen. So wird der SPD-Politiker Hans Eichel bereits in allen Lexika als Finanzminister geführt und Oskar Lafontaine hat abgedankt. Die Encarta listete Günther Grass sogar schon als Nobelpreisträger auf.
Da sich die Lexika in Preis, Umfang und Funktionalität stark unterscheiden, nahm die Nachrichtenagentur ddp fünf Produkte unter die Lupe. Dabei wurden 35 Begriffe aus allen Sparten überprüft: Von Aromatherapie über SCSI-Controller bis hin zu James Bond und Markus Wolf (siehe Infokasten). Großen Wert legten die Tester außerdem auf ausgefeilte und leicht verständliche Suchfunktionen innerhalb der Lexika.
"Universa"
Hersteller: More Software
Preis: 29,95 Mark
Dass viele Begriffe nicht gefunden werden können, sieht man den Herstellern angesichts des
Preises nach. Kein Verständnis wird der Nutzer aber für die schlechte
Suchfunktion haben: Absurderweise findet die Volltextsuche manche
Einträge nicht, die über die Stichwortliste zugänglich sind. Außerdem
ist die Benutzerführung nicht gut gelungen.
"Lexikon 2000"
Hersteller: Data Becker
Preis: 49,95 Mark
Aus dem Computerverlag «Data
Becker» kommend, kann das Lexikon 2000 dem Anspruch, ein
Universal-Lexikon zu sein, nicht genügen. Seine Stärken liegen
erwartungsgemäß in den Bereichen Technik, Computer und
Naturwissenschaften.
"Das Große Bertelsmann Lexikon 2000"
Hersteller: Bertelsmann
Preis: 98 Mark
Bertelsmann bleibt mit seinem CD-ROM-Lexikon sehr nah an der gedruckten Ausgabe.
Die multimedialen Möglichkeiten werden nur wenig ausschöpft.
Allerdings gibt es zu den meisten Suchbegriffen ausführliche
Informationen, und auch die Benutzerführung ist größtenteils
gelungen. Optisch bereitet das Lexikon keine Freude - einige
Schriftzüge sind unscharf. Etwas irreführend ist auch die Aufschrift:
«Basiert auf 20-bändigem Lexikon». Gemeint ist: Auf diesen CDs finden
Sie einen Auszug aus einem 20-bändigen Lexikon. Gut recherchiert sind
die vielen Internetlinks zu den Einträgen.
"Brockhaus multimedial 2000"
Hersteller: Brockhaus
Preis: 99 Mark
Der Brockhaus glänzte
im Test durch sehr gute Suchergebnisse (auch wenn die Suche nach der
Band «Massive Attack» ins «Gebirge» führte), eine gute
Benutzerführung und umfangreiche Zusatzinformationen, wie zum
Beispiel weiterführende Literatur. Selbst Tagesschau-Beiträge können
bei einigen Themen abgerufen werden.
"Encarta 2000"
Hersteller: Microsoft
Preis: 119 Mark
Das Microsoft-Lexikon, das
Teuerste im Test, ist sein Geld wert. Von allen Enzyklopädien nutzt
die Encarta die Multimedia-Möglichkeiten am besten. Da auch Inhalt
und Aktualität stimmen, kann die Encarta voll überzeugen.
