Von Timo Lüge, dpa =
München (dpa/lby) - "Ja, was geht'n hier ab?" Verblüfft betrachtet der 18jährige den Nebenraum der
Münchner Großdisko "Terminal", in dem "Mind Zone", das neueste bayerische
Drogenpräventionsprogramm, Stellung bezogen hat. Wie auch tausende anderer Jugendlicher war er
am Samstag mit kurzen gebleichten Haaren und Kapuzenpulli gekommen, um Techno-Guru Sven
Väth zu erleben. Daß er jetzt auf einmal malen soll, bringt ihn sichtlich aus dem Konzept. "Ne, laß
mal gut sein", sagt der Raver zu der feundlichen Mitarbeiterin vom "Mind Zone".
Doch innerhalb weniger Minuten füllen sich die Plätze vor den 20 Zeichenmappen. "Ich leg Euch
jetzt allen einen Bleistift 5H hin", ruft Christoph Thomas von der Gesellschaft zur Förderung der
Kunst- und Kulturtherapie den Jugendlichen zu. Auf einem Podest in der Mitte des Raumes hat
inzwischen ein zirka 35 Jahre alter Mann mit weiß bemaltem Gesicht Platz genommen. Kopf und
Füße steckt er durch eine große Holzstaffelei. "Ok, Ihr habt zehn Minuten Zeit", ruft Thomas. Nach
zehn Minuten ändert das Modell seine Haltung.
"Ok, neues Blatt. Ihr habt fünf Minuten Zeit." Und während die Raver sich noch auf die neue
Situation einstellen, läuft Thomas durch die Reihen und kippt auf jedes Blatt einen Klecks Öl. "Ok,
jetzt mit den Fingern weiter, Ihr habt drei Minuten". Immer kürzer werden die Abstände, zwischen
denen sich etwas verändert. Thomas legt einen weiteren Bleistift hin, haut rote Farbe auf die Bilder.
Ziel des ganzen sei, "den Jugendlichen eine alternaive Möglichkeit zu zeigen, loszulassen, ohne den
Intellekt beteiligen zu müssen", erklärt Thomas.
Der bayerischen Sozialministerin Barbara Stamm (CSU) , die zur Eröffnung von "Mind Zone"
gekommen war und leicht verwirrt auf ihrem Zeichenblock malt, fällt das sichtlich schwer. "Weißt,
alle kritzeln da so drauf los, und sie ist voll das oberkorrekte Teil", lästert ein Junge gegenüber seiner
Freundin. Daß Stamm nachts um zwölf überhaupt ins "Terminal" gekommen ist, findet er aber
auch"echt korrekt".
"Ok, jetzt legt alles weg, und jeweils eine Sitzreihe geht an eine der großen Leinwände. Malt einfach
drauf' los. Malt was Ihr wollt. Mit Händen, Pinseln, Füßen. Los, los, los." Als hätten sie ihr Leben
lang nichts anderes gemacht, stürzen sich die Kids auf Farben und Leinwände. "Das ist total geil, voll
die Maldröhnung" ruft einer.
An den Kreis der Neugierigen haben "Mind Zone"-Mitarbeiter inzwischen Kaugummis, Kondome
und Ohrstöpsel verteilt. "Unser Projekt hat hauptsächlich einen präventiven Ansatz: Aids, Drogen,
Lärm", erzählt ein 24jähriger Student, der zusammen mit der Caritas an der Entwicklung des
Projektes mitgearbeitet hat. Die "Künstler" haben sich inzwischen die Farben wieder von den
Händen gewaschen. "Geil war's" ruft ein wasserstoffblondes Mädchen mit Kunstfell-Stola auf die
Fragen der versammelten Journalisten, schnappt ihren Freund und geht zurück zu DJ Sven Väth -
abtanzen.